Allen + Crippa: Gässli5 - best architects 27

Allen + Crippa

Gässli5

best architects 27

Umbauten & Erweiterungen

Ort

Grabs, Schweiz

Foto

Rory Gardiner

Beschreibung

Das Projekt Gässli5 untersucht, wie kreislaufgerechtes Bauen in einem konkreten architektonischen Kontext umgesetzt werden kann. Das Gässlihaus zählt zu den ältesten weitgehend original erhaltenen Häusern der Region Werdenberg. Nachdem es nicht mehr unter die Schutzverordnung fiel, konnte es nur durch einen Ortswechsel vor dem Abbruch bewahrt werden. Der Strickbau wurde vollständig demontiert und an einem neuen Standort im Dorf wieder aufgebaut. Ergänzt wird der Altbau um einen Stampflehmbau – ein Haus aus natürlichen Baumaterialien, das vollständig rezyklierbar ist und am Ende seines Lebenszyklus in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden kann. Fehlende oder beschädigte Teile des Strickbaus wurden durch andere Abbruchobjekte aus dem Dorf ersetzt, womit die lokale Baugeschichte im Sinne des zirkulären Bauens weitergeführt wird. Der Strickbau blieb in seiner materiellen und räumlichen Einfachheit erhalten. Auf technische Eingriffe wie Dämmung oder Installationen wurde bewusst verzichtet. Der Neubau ergänzt den Altbau und bildet mit diesem ein neues Ensemble. Er besteht aus tragenden Stampflehmwänden, unverleimten Holzbalkendecken und einer Dämmung aus Hanf. Die räumliche Organisation sieht einen offenen Raum im Erdgeschoss vor, der mit einer kompakten Wohnung im Obergeschoss verbunden ist. Diese Verbindung erlaubt eine flexible Nutzung als Vereinshaus, Wohnraum oder Werkstatt. Somit kann der Strickbau zusammen mit dem Neubau in unterschiedlichen Konfigurationen als Drei-Jahreszeiten-Haus genutzt werden. Das Projekt ist Teil eines Permakulturgartens mit essbaren Pflanzen, Teichen und Trockenbereichen. Wir verstehen das Projekt als ein Statement gegen den heutigen Abrisswahn und die Verschwendung in der Baubranche sowie als Plädoyer für die Wiederverwendung bestehender Bausubstanz. Gleichzeitig dient es als Experiment, die Grenzen gängiger Normen zu verschieben und Suffizienz neu zu denken.